Jadé Foelske Interview (Teil 2 von 2)

Autor: Mirko Seifert

Jadé Foelske, Jahrgang 2001, trainiert und lebt seit über einem Jahr in Atlanta, USA. Im Sommer 2016 wurde sie mehrfache Jahrgangsmeisterin in Berlin (100 S, 200 S, 400 L) und vertrat Deutschland anschließend bei der Junioren-EM in Ungarn. Ich sprach mit ihr über ihr abwechslungsreiches Leben in Europa, den USA und Deutschland. Aufgrund der Länge des Interviews wird es in zwei Teilen veröffentlicht: Teil 1 gestern, Teil 2 heute.

Jade mit der Staffel von Dynamo Atlanta, die den US-Altersklassenrekord verbesserten.

Jade mit der Staffel von Dynamo Atlanta, die den US-Altersklassenrekord verbesserten.

Was sind die Hauptunterschiede zwischen den Vereinen in Polen und jetzt bei Club Dynamo in den USA?
Jadé: Der größte Unterschied ist die Anzahl der Schwimmer in unser Schwimmgruppen. In Polen hatten wir bis 10 – 12 Schwimmer pro Trainingsgruppe, hier sind wir selten unter 24 Schwimmer. (4-5 Schwimmer pro Bahn) Das Training findet hier hauptsächlich nachmittags statt, dafür allerdings über 3 Stunden. Täglich wird großer Wert auf Landtraining und Dehnung gelegt. Hier schwimmen wir sehr viel Beine, Lagen und die fünfte Schwimmart – Fisch (teilweise seitlich unter Wasser) und natürlich mit einem Schnorchel. Anscheinend haben neue Studien ergeben, im jüngeren Alter länger auszuschlafen und nicht zu jung zu früh trainieren, das soll das Wachstum beeinflussen. Ich bin ja nicht so groß, ich würde gerne noch ein paar Zentimeter wachsen. Ich habe einen Haupttrainer Jason Turcotte und zwei Assistenten-Trainer. Anfang der Saison wurde mit jedem Schwimmer ein Meeting veranstaltet, indem über Ziele der kommenden Saison gesprochen und auch gezielt Zeiten gesetzt und festgehalten wurde.

Du bist jetzt über ein Jahr in Atlanta und hast dort eine komplette Saison trainiert, sprich du hast einen guten Einblick in die Schwimmsituation in den USA. Wie erklärst du dir die Überlegenheit der US-Schwimmer auf vielen Strecken?
Jadé: Kurze Antwort – Die Gemeinschaft im Team ist unglaublich, selbst beim Training hilft sich jeder jedem.
Lange Antwort – Die Gruppendynamik wird immer wieder gefördert. Es werden immer wieder Zeitphasen während des Trainingseinheit eingebaut, wo wir mal Staffeln schwimmen müssen oder 100m Sprints unter Zeitdruck und das Team soll einen anfeuern und andere Schwimmer dabei motivieren. Das Training ist sehr abwechslungsreich. Es gibt auch jetzt noch nach einem Jahr Trainingsegmente, die ich noch nicht kenne. Ich schwimme mit Schwimmern, die motiviert sind, Erfolg zu erzielen und soweit als möglich im Schwimmen etwas erreichen wollen. Interne Konkurrenz überschattet nicht die eigenen Ergebnisse. Offene Eifersucht von anderen habe ich hier noch nicht erlebt.
Bei WK werden viele Strecken geschwommen und dann meistens mit VL und Finalen. Eltern sind sehr wichtig und sie ziehen hier richtig mit, auch wenn sie nur auf der Tribüne sitzen dürfen und keinen Kontakt während des Trainings und bei WK zu den Schwimmern haben, trotzdem unterstützen sie den Schwimmsport ganz enorm. Schwimmen wird auch des Öfteren im Fernsehen gezeigt und natürlich gibt es viele Unis und Colleges, die Schwimmer fördern. Der Schwimmsport ist hoch angesehen und anders als in Deutschland wird Kameradschaft gefördert. Wer den Spielregeln nicht folgt, wird vom Training suspendiert. Beim Training wird darauf geachtet, dass Schwimmer sich nicht spezialisieren bis zum College Alter. Selbstverständlich hat jeder seine Hauptlage. Allerdings wird darauf geachtet, alle anderen Schwimmarten relativ ausgeglichen zu trainieren. Bei WK werden sogenannte „Fast Suits“ (lange Badeanzüge – Carbon, Tyr oder Speedo‘s Lazer X) nur bei Meisterschaften angezogen und nicht bei ganz normalen WK. Und immer wieder wird der Schlachtruf bei WK geschrien, ganz wichtig auch die Kleidung. Immer einheitlich auftauchen. Vor jedem WK, wird uns mitgeteilt, welches T-Shirt und Trainingsanzüge angezogen werden darf. Auch wenn nur mit normalem Badeanzug geschwommen wird, ist er in einer einheitlichen Farbe – Schwarz, alle tragen dieselbe Badekappe, auch dort werden Farben bestimmt. Gelb für alle WK und das Einschwimmen, weiße Badekappen fürs Finale. Bei Meisterschaften wird im Finale eine schwarze Badekappe mit Dynamo Aufdruck benutzt. Alle diese Dinge tragen zur Gemeinschaft bei und fördern den Teamgeist.

Jadé mit Papa/Dad Marco bei den High School Bundesstaaten Meisterschaften.

Jadé mit Papa/Dad Marco bei den High School Bundesstaaten Meisterschaften.

Deine Hauptlage ist Schmetterling, hast aber bei Wettkämpfen auch die anderen Lagen im Programm. Möchtest du vielseitig bleiben?
Jadé: Ja, ich bleibe vielseitig, damit ich auch bei Meisterschaften mehrere Strecken schwimmen kann. Schmetterling ist meine Hauptlage und wird es auch bleiben. Ich schwimme aber immer gerne die Lagenstrecken, umso länger umso besser. Sprinten ist nicht so mein Ding. Selbstverständlich schwimme ich auch immer noch gerne Brust. Inzwischen arbeiten wir an meinen Rücken, um es zu verbessern und ich schwimme jetzt auch des öfteren Freistil, sogar die lange Distanz. Bin vor kurzem 1 Meile = zirka 1610m geschwommen (66 Yard Bahnen)

Wenn man deinen Wettkampfplan der letzten Jahre ansieht, bist du eine ausgesprochene Vielstarterin, nicht nur bei normalen Wettkämpfen, sondern auch bei Meisterschaften. Dir macht es also nichts aus, am Tag 5-mal zu schwimmen?
Jadé:Das habe ich ja schon von jung an gemacht. Es macht mir zwar etwas aus, aber härtet mich auch ab und bereitet mich für die wichtigen WK vor, wo VL und Finalabschnitte am selben Tag stattfinden. Ich bin froh, dass ich das schon früher mit vielen Starts gestartet habe, denn als wir in die Staaten umgezogen sind, wird es hier voll und ganz unterstützt. Man hat es ja am Beispiel von Katinka Hosszu bei der Olympia gesehen. Das Vielstarten half ihr, sich immer wieder neu zu finden und höchste Leistungen abzurufen. Ebenso konnte man es an dem US Team bei Olympia sehen. Ich schwimme auch einige WK mit nur Nebenstrecken hier. Also an meinem Vielstarten wird sich nix ändern.

Im September 2016 bist du zum ersten Mal im Freiwasser bei der Veranstaltung „Swim accross America“ geschwommen. Wie hat es dir gefallen?
Jadé:Naja, das war ja eher Spaß. Und Spaß gemacht hat es mir unheimlich. Ich bin mit Tristen, meiner besten Freundin und vielen anderen 5 km geschwommen. Es war eine Spendenschwimmveranstaltung für Krebskranke und es sind sehr viele für diesen guten Zweck mitgeschwommen. Es schwammen sogar Missy Franklin und etliche andere Olympioniken mit. Da möchte ich nächstes Jahr auf alle Fälle wieder mitmachen. Ich habe sehr schöne Erinnerungen daran und das Wetter hat richtig gut mitgespielt.

Jadé 2016 in den USA.

Jadé 2016 in den USA.

Hast du noch Kontakte nach Polen?
Jadé:Ja regelmässig, spreche ich, schicke Emails, SMS oder über die sozialen Netzwerke online mit ein paar Freunden in Polen. Ich habe auch etwas Kontakt mit ein paar deutschen Kaderschwimmerinnen, aber nicht regelmäßig. Eher vor wichtigen WK oder nach der JEM.

Wie viele Sprachen sprichst du?
Jadé:Ich spreche vier Sprachen fliessend (Englisch, Spanisch, Polnisch und Deutsch) und ich lerne jetzt Französisch in der Schule.

Hast du sportliche Vorbilder?
Jadé:Der US Sprinter Nathan Adrian und die US Langstrecklerin Katie Ledecky.
Zu Ledecky habe ich noch eine kleine Geschichte zu erzählen. Mein Trainer erzählte uns vergangene Woche, dass einmal ein Mann als Gastschwimmer mit ihr trainiert hat und nach dem Training zu Ledecky sagte, er hätte sich noch nie so übel und ausgelaucht gefühlt, darauf sagte Ledecky „so fühle ich mich dreimal die Woche!“.

Was sind deine sportlichen Ziele für 2017?
Jadé:Bei der DJM und der DM in Deutschland teilzunehmen, dann die Qualifikation zur JEM nach Israel und zur JWM in meinem Heimatland in Indianapolis zu schaffen.

Und darüber hinaus?
Jadé:Bin ich glücklich hier in Atlanta zu leben, eine tolle Trainingsgruppe zu haben und viele Freunde, die ähnliche Ziele im Leben verfolgen. Ich freue mich aber auch auf ein Wiedersehen in Deutschland in 2017.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Links: Bilder und Erfolge
Teil 1 des Interviews

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