Jadé Foelske Interview (Teil 1 von 2)

Autor: Mirko Seifert

Jadé Foelske, Jahrgang 2001, trainiert und lebt seit über einem Jahr in Atlanta, USA. Im Sommer 2016 wurde sie mehrfache Jahrgangsmeisterin in Berlin (100 S, 200 S, 400 L) und vertrat Deutschland anschließend bei der Junioren-EM in Ungarn. Ich sprach mit ihr über ihr abwechslungsreiches Leben in Europa, den USA und Deutschland. Aufgrund der Länge des Interviews wird es in zwei Teilen veröffentlicht: Teil 1 heute, Teil 2 morgen.

Jadé bei den DJM 2016 in Berlin.

Jadé bei den DJM 2016 in Berlin.

Wie fällt dein Fazit für die letzte Saison aus?
Jadé: Letztes Jahr war meine beste Saison. Natürlich war die JEM in Ungarn mein ganz persönliches Highlight, erstens weil ich neue Bestzeiten über 100m und 200m Schmetterling schwamm und zweitens war der WK nur zwei Wochen nach der DJM und ich konnte mich nochmals über meine Paradestrecken um ein / zwei Sekunden steigern.

Du hattest ziemlich aufregende Wochen im Sommer diesen Jahres: zuerst im Juni die DJM in Berlin, dann das Training in Potsdam und danach die Junioren-EM in Ungarn. Erzähl uns doch mehr darüber!
Jadé: Eigentlich habe ich nie darüber nachgedacht, ob ich es nicht zur JEM schaffen werde. Ich habe mich die gesamte Saison gut gefühlt und meine Trainerin der letzten Saison Beth Winkowski hat mich genau auf den Punkt vorbereitet. Ich hatte schon Anfang der Saison über Jahresend-Ziele mit ihr gesprochen. Teilnahme bei der JEM war eines der Zielsetzung. Ich konnte ja nicht zur DM nach Berlin kommen. Es war mein erstes Jahr auf der High School und Ende des Jahres gab es Klausuren, die ich nicht verpassen konnte.  Meine Qualifikation sollte somit der WK die „Atlanta Classic“ Anfang Mai sein, welches nur ein paar Tage hinter der DM lag. Dort musste ich versuchen, die Norm von unter 2:16 über 200m Schmetterling zu knacken, welches mir am letzten WK Tag auch gelang.
Zur DJM sind wir dann am Sonntag schon angereist, um den Jet-leg schneller zu überwinden. Ich bin dann am Sonntag in Berlin alleine in ein Fitness Center gegangen und durfte auf einer 25m Bahn für 1 bis 1 ½ Stunden meine Bahnen schwimmen. Am Montag, einen Tag vor den DJM, sind wir dann in die SSE an der Landsberger Allee zum Training gefahren. Nachdem ich dann bei der DJM die Normen für die JEM geschafft hatte, musste mein Vater sämtliche Flüge von und nach den USA und Inland in Deutschland umbuchen, selbstverständlich auf seine eigenen Kosten. Auch konnten wir erst dann die Zimmer auf der Sportschule in Potsdam wirklich buchen, auch hier musste mein Vater die Kosten selber tragen. Zusätzlich ist meine Oma bei mir geblieben. Ich sehe sie ja nicht so oft und so konnten wir das mit dem Training auf der Sportschule verbinden.
Ich trainierte mit den anderen Jugendlichen von der Potsdamer Sportschule und unter Trainer Marko Letz. Die Trainingspläne wurden mir allerdings von den USA von meiner Heim-Trainerin Beth Winkowski via E-Mail geschickt. Des Öfteren waren die Potsdamer schon fertig, da musste ich noch das eine oder andere zu Ende schwimmen. Ich bin dann mit Potsdamern von Berlin über München nach Budapest geflogen. Nach der JEM zurück nach Frankfurt und einen Tag später weiter nach Atlanta. Ein paar Tage nach meiner Rückkehr in Atlanta standen noch die Future Zone Meisterschaften an. (Future Zone sind 10 Bundesstaaten). Mit der Staffel schwammen wir einen neuen US Nationalen Altersklassenrekord über 4 x 200m Freistil. Auch sonst waren meine Zeiten und Platzierungen recht ordentlich. Im August habe ich zwei Wochen frei gehabt, danach haben wir wieder langsam angefangen.

Jadé bei der Junioren-EM 2016 in Ungarn.

Jadé bei der Junioren-EM 2016 in Ungarn.

Du trainierst seit September 2015 in Atlanta, hast aber Jahre zuvor schon einmal in den USA trainiert, bevor es nach Polen ging. Skizziere doch bitte deinen Schwimmweg bis ins Jahr 2015!
Jadé: Naja, trainieren in den USA konnte man das nicht nennen. Ich habe bei Dynamo Atlanta 2006 einen Sommerkursus besucht, dann nochmals einen weiteren Kursus in 2007. Als wir dann im August 2007 nach Birmingham in England umgezogen sind, wurde ich bei einem Schwimmverein in Solihull bei Birmingham im Lehrschwimmbecken weiter zum Schwimmen animiert. Eigentlich war ich etwas „wasserscheu“, aber schon damals hatten die Jugendlichen, die mich betreuten, irgendetwas in mir gesehen. Die Engländer hatten ein Programm, wo Jugendliche Kleinkindern das Schwimmen beibringen, bevor sie selber aktiv trainieren mussten. Es war ein Programm, das im wahrsten Sinne des Wortes – Jugend trainiert für Olympia  – von dem damaligen Premierminister Major ins Leben gerufen wurde. Kinder sollten von Kindern zum Sport geführt werden und die älteren Kinder / Jugendlichen dann von Pädagogen und Trainern in die nächsthöhere Stufe gebracht werden. Weil wir aber in England nur ein Jahr lebten, habe ich das Lehrschwimmbecken nur für ein paar Monate gegen ein großes Becken (25m Bahn) getauscht. Der eigentliche Durchbruch und öfters Training begann dann in Bremen, wo meine Oma mich zum Unibad dreimal die Woche hinfuhr. Ich trat dann auch in den „Bremischen Schwimmverein“ ein. Schon sechs Monate später sind wir dann wieder umgezogen.

Jadé 2016 in den USA.

Jadé 2016 in den USA.

Diesmal nach Warschau – Polen. Dort habe ich dann bei einem Verein im Stadtteil Ursinov trainiert. Nach weiteren sechs Monaten sind wir dann nochmals umgezogen, diesmal nach Posen in Polen. Hier habe ich dann eigentlich richtig mit dem Wettkampfschwimmen begonnen. Erst trainierte ich vier Tage, bis es dann bis auf acht Einheiten pro Woche am Ende gesteigert wurde. Es war auch der CityZen Verein und mein Trainer für über drei Jahre – Tomek Stankowski, der mir das Schmetterlingsschwimmen beigebracht hat. Durch ihn habe ich es zu mehren DJM Titeln und bis zur EYOF geschafft. CityZen wollte immer, dass wir zu ihnen einen Startrechtwechsel durchführen, welches wir aber nicht taten. Allerdings führten wir in 2014 dann doch einen Vereinswechsel durch. Ich wechselte von dem „Bremischen Schwimmverein“ zur „SG Schöneberg Berlin“. Ich war dann schon im D/C Kader. Aber weil wir nicht in Bremen lebten, konnten ich auch nicht an Kader-Maßnahmen teilnehmen, da war Berlin schon die bessere Wahl. Es stand auch mal im Raum, die Möglichkeit zu erwägen zum Internat oder Sportschule zu wechseln. Ich lebe aber lieber bei meinen Eltern und in meiner gewohnten Umgebung. Heute, ein Jahr nach der EYOF, war das vielleicht nicht so gute Abschneiden und hinter meinen Möglichkeiten zu schwimmen eventuell darauf zurück zu führen, dass wir schon gleich drei Wochen später für immer nach Atlanta und den USA auswandern würden. Welches für mich doch sehr überraschend kam. Im September 2015 habe ich dann bei Dynamo Atlanta und dem Verein, wo eigentlich alles 2006 begann, angefangen zu trainieren.

Wie leicht oder schwer fiel dir der Umstieg der Schule und des Trainings von Polen in die USA?
Jadé: Der Umstieg nach Atlanta fiel mir sehr schwer. Für mich brach eine Welt zusammen, zu wissen dass ich die Freunde von der Schule in Posen, mit denen ich Jahre verbrachte, meinen Trainer bei CityZen und die kleine Schwimmergruppe, verlassen musste. Ja, es fiel mir sehr schwer. Heute kann ich darüber wieder lächeln, damals war ich sehr traurig.

Jadé 2016 in den USA.

Jadé 2016 in den USA.

Wie sieht ein typischer Schul- und Trainingstag bei dir aus?
Jadé: Eigentlich ziemlich geordnet. Ich trainiere nur montags und freitags früh, dann allerdings von 5:15 Uhr bis 6:45 Uhr. Puh –  anstrengend das Aufstehen um 4:50 Uhr. Meine Schule beginnt um 8:15 Uhr bis 15:20 Uhr. Mittagessen nehme ich von zuhause mit. Das Schulessen ist nicht so gut. Ich werde von meiner Mutter von der Schule abgeholt oder fahre mit einer Freundin. Hier darf man ja schon mit 16 Jahren Autofahren. Ich muss nur noch ein Jahr warten. Woohoo!! Mein tägliches Training beginnt um 15:45 Uhr mit 45 Minuten sehr hartem Landtraining, danach 2 bis 2 ¼ Stunden schwimmen. Meistens schwimmen wir 6 bis 7 km pro Einheit. Um 18:45 Uhr fahren wir dann nach Hause, wo ich dann nach dem Abendessen meine Hausaufgaben machen muss. Manchmal dauern diese bis 22 Uhr.
Gegenüber Polen haben wir hier in unserer Trainingsgruppe zirka 24 bis 28 Schwimmer und Altersunterschiede von bis zu vier AK. Seit September diesen Jahres schwimme ich in der höchsten Trainingsgruppe „Senior 1“ und mit einem neuen Trainer. Das Training ist wesentlich härter als noch in der vergangenen Saison. Meine besten Freundinen sind Tristen Ulett und Addie Farrington. Beide sind in meinem Alter und obwohl sich einige unserer Schwimmstrecken überschneiden haben wir aber alle zusammen ein gesundes freundschaftliches Verhältnis. Ach übrigens, in Amerika schwimmt man in seiner AK bis man tatsächlich Geburtstag hat und nicht wie in Deutschland, wo ich schon seit Januar als 15-jährige geschwommen wäre aber erst am 25. November meinen 15. Geburtstag feiere. Das finde ich hier viel besser und gerechter.

Wie kooperieren in Atlanta, speziell bei deinem Club, die Schule und der Verein miteinander. Geht die Zusammenarbeit problemlos?
Jadé: Naja, Schule und Verein haben nicht so richtig eine Zusammenarbeit. Schule ist Schule und da sie selber ein High School Schwimmteam haben, kümmern die sich nicht um die Ganzjahres-Schwimmer. Genauso die Vereine. Ganz glücklich sind die Heimtrainer nicht, dass man während der High School Saison wöchentlich WK gegen andere Schulen bestreitet. Die High School Schwimmsaison geht aber auch nur von November bis Februar. Die Heimtrainer mögen es halt nicht, weil einmal wöchentlich eine Trainingseinheit nicht voll trainiert werden kann. Bei den High School WK’s wird nur auf der 25 Yard Bahn geschwommen. Im Februar finden für die Besten die „Bundesstaaten Meisterschaften“ statt. In diesem Jahr gewann ich die 100 Yard Schmetterling und wurde zweite über 200 Yard Lagen. Es wird gegen vier High School Jahren angetreten, d.h. 9. bis 12. Klasse werden gemeinsam gewertet.

Interview Teil 2

Link: Bilder und Erfolge

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