Potsdam’s neue Schwimmhalle – blu

Autor: Mirko Seifert

Am 17.7.2016 gab es zum zweiten Mal den Tag der offenen Baustelle, speziell für die neue Schwimmhalle in Potsdam. Diese befindet sich noch im Bau; dieser soll im Dezember 2016 abgeschlossen sein.

17.7.2016, Potsdam, neue Schwimmhalle: das Wettkampfbecken, rechts die Sprungtürme.

17.7.2016, Potsdam, neue Schwimmhalle: das Wettkampfbecken, rechts die Sprungtürme.

Bereits im Februar 2016 gab es einen Tag der offenen Baustelle, bei dem ich 10 Sek. zu spät kam. Am 17.7., in der Pause der Landesmeisterschaften im Schwimmen Brandenburg im Brauhausberg, nutzte nicht nur ich die 90 Min. Pause für einen Spaziergang durch den neuen Beton.

Der Name der neuen Schwimmhalle wird „blu“ lauten. Das Schwimmbecken war nicht gut einzusehen, Baugerüste versperrten den Überblick. Gut zu erreichen und von zahlreichen Besuchern in Anspruch genommen waren die anderen Bereiche wie Freizeitbereich mit Rutsche und der große Wellnessbereich, inkl. mehrere Saunen. Es verlangt dem Besucher trotzdem große Vorstellungskraft ab um zu erkennen, wie es hier einmal aussehen mag. Denn mehr als Beton und ein paar Kabel war nichts zu sehen.

Zurück zu meinem eigentlichen Besuch – die Schwimmhalle.
Diese wird 50m lang sein, bestehend aus 10 Bahnen. Die 2 Sprungtürme, die es schon in der alten Halle gibt, sind auch hier wieder Teil der Schwimmhalle. Die Tribüne war nicht einzusehen; die Konstruktion lässt vermuten, dass nicht mehr als 500 Leute Platz finden werden.

17.7.2016, Potsdam, neue Schwimmhalle: der Wellness Aussenbereich.

17.7.2016, Potsdam, neue Schwimmhalle: der Wellness Aussenbereich.

Vorteile
Der Potsdamer Schwimmverband, oder der Brandenburgische Schwimmverband im Allgemeinen, bekommt eine moderne Schwimmhalle mit den meisten Tribünenplätzen im Bundesland. Wettkämpfe auf einer 50m Bahn können und sollten dann nur noch hier stattfinden. Der Luftschiffhafen ist und bleibt eine reine Trainingsstätte. „blu“ befindet sich direkt am Hauptbahnhof in Potsdam und ist zu Fuß sehr gut zu erreichen. Parkplätze soll es hier, an der Schwimmhalle, auch geben.

Nachteile
50m Halle
Es ist eine reine 50m Halle. Eine temporäre Verkürzung auf 25m ist nicht möglich; somit wird es keine 25m Wettkämpfe gebe. Wettkämpfe wie die „Potsdamer Kurzbahnmeisterschaften“, die vor Jahren im Luftschiffhafen einstellt werden musste, fallen auch weiterhin flach. Aber auch die DMS-J oder die Sprintmeisterschaften können hier nicht stattfinden.

17.7.2016, Potsdam, neue Schwimmhalle: die Aussenfassade.

17.7.2016, Potsdam, neue Schwimmhalle: die Aussenfassade.

Nationale Meisterschaften nur bedingt möglich
Wettkämpfe wie „Alter Fritz“, „Adler Pokal“, und „Landesmeisterschaften auf der 50m Bahn“ können hier ohne weiteres stattfinden. Die Bedingungen dafür sind (fast) optimal.
Doch wie sieht es mit nationalen Meisterschaften, wie z. B. den Norddeutschen (NDM), Jahrgangsmeisterschaften (DJM) oder Deutschen Meisterschaften (DM), aus?

Für die NDM, die seit diesem Jahr in drei Teilen ausgeschrieben werden, sollte es reichen. Ob „Lange Strecke“, „Mehrkampf“ oder „Jahrgangsmeisterschaften (NDM)“, die Schwimmhallenbedingungen sind dafür gegeben. Zu diesen Veranstaltungen kommt immer noch der Faktor Mensch, d. h. die Veranstaltung muss auch von einem Verein organisiert werden. Dafür braucht es „Man-Power“ und Erfahrungen, solche eine Veranstaltung zu stemmen. Auch der Norddeutsche Jugendländervergleich sollte ohne Probleme hier durchzuführen sein.
Schon schlechter sieht es für die DJM aus. Dieser größter deutsche Schwimmwettkampf mit zuletzt 1.500 Sportlern in Berlin, hätte hier keinen Platz. Es wäre nur möglich, wenn die DJM „geteilt“ werden würde, z. B. nach Mehrkampf und Jahrgängen. Mit der Länge von 5 Tagen, über 6.000 Starts und 1.500 Sportlern ist außer Berlin jede Schwimmhalle in Deutschland überfordert. Hinzu kommt, dass es kein separates Ein/Ausschwimmbecken gibt. Das Lehrschwimmbecken zählt übrigens nicht dazu.
Auch die DM werden wohl hier keine Station machen. Es sind zwar weniger Sportler und Starts als zu den DJM, die Faktoren Ein/Ausschwimmbecken, Sprungtürme und Tribünenplätze reichen nicht, um die DM hier stattfinden zu lassen.
Dabei ist es „irrational“ so zu denken. Fanden doch in der 50m weiter entfernten alten Schwimmhalle die DDR-Meisterschaften nicht nur einmal statt. Die neue Halle ist der alten in allen Belangen überlegen; trotzdem wird es nicht für die DM in der „Neuzeit“ reichen. Die Anforderungen haben sich stark verändert, vor allem, wenn LEN und FINA Veranstaltungen stattfinden sollen.

17.7.2016, Potsdam, neue Schwimmhalle: links die alte, rechts die neue Halle.

17.7.2016, Potsdam, neue Schwimmhalle: links die alte, rechts die neue Halle.

LEN und FINA bleiben draußen
Es wird weder LEN noch FINA Veranstaltungen hier geben. Das hat mehrere Gründe:
1.) es gibt kein separates Ein/Ausschwimmbecken; das ist zwingend vorgeschrieben;
2.) auf der Wendebrücke knickt die Beckentiefe aufgrund der Sprungtürme (1m, 3m) auf ca. 4m Tiefe ab. Die Verbände fordern aber eine gleichbleibende Beckentiefe.
3.) Die Sprungtürme stören. Damit ist kein regelkonformer Start der 50m Strecken möglich.
4.) keine Videoanzeigetafel; siehe nächster Punkt;
5.) Zuschauertribüne: die Anzahl der Sitzplätze ist nicht zwingend zu wenig; zumindest gab es bei den Junioren-EM im Schwimmen Schwimmhallen, die eine ähnliche Anzahl zu bieten hatten.
Keine Infos habe ich zu den Themen Beleuchtung und Umgebung (Schwimmhallen, Beckenumfeld, Schränke).

Keine Videotafel
Neue Schwimmhalle, neues Becken, aber keine Videotafel. Stattdessen wird die Wasserballanzeige des alten Brauhausberges übernommen. Eine Videotafel oder eine reine Tafel für die Anzeige der Ergebnisse, wie z. B. in der SSE, wird es nicht geben.

17.7.2016, Potsdam, neue Schwimmhalle: der Freizeitbereich mit Rutsche.

17.7.2016, Potsdam, neue Schwimmhalle: der Freizeitbereich mit Rutsche.

Lehrschwimmbecken
Es wird ein Lehrschwimmbecken geben. Das Besondere daran, das alte Lehrschwimmbecken der alten Halle wird mit seinen Fließen eins zu eins übernommen. Somit wird wenigstens ein kleiner Teil der alten Halle auch in dem neuen Fortbestehen.

An einem Modell war zu erkennen, wie die Umgebung der Schwimmhalle in Zukunft aussehen wird. So wird die alte Schwimmhalle abgerissen und an ihrer Stelle Einfamilienhäuser entstehen.

Potsdam und Brandenburg werden mit der „blu“ eine schöne neue Schwimmhalle vorfinden, die vor allem aber vom Wasserball gebraucht wird. Als Gesamtkomplex wird es mehr ein Freizeit und Wellnessbad als eine Sportarena. Ich war letzte Woche am neuen Schwimmhallenkomplex in Budapest und kann die Dimensionen gut vergleichen. Um es kurz zu sagen: zwischen den Schwimmhallen liegen Welten.

Ergänzung am 20.7.2016:
Die Breite des Beckens beträgt 25m, was dazu führen könnte, dass Wettkämpfe für die Kurzbahn (25m Bahnlänge) „längs“ stattfinden könnten. So hat es der Luftschiffhafen in seiner Trainingshalle mehrere Jahre lang gemacht. In der auslaufenden Saison 2015-16 wurden aber die Startblöcke nicht mehr längs angebracht; es gab weder 25m Bahn-Wettkämpfe noch das Training auf einer 25m Bahn.
Laut den Bildern, die mir vorliegen, gibt es nur Ausbuchtungen für Startblöcke quer zum 50m Becken; keine längs.
In der Vergangenheit sind diverse Schwimmhallen so verfahren, dass sie die Startblöcke quer abmontieren und längs wieder anmontieren. Keine Schwimmhalle kann es sich leisten, längs und quer Startblöcke aufzustellen. Abgesehen vom Preis sieht das komisch aus und spätestens ab der Langbahnsaison (50m Bahn) stören die Startblöcke für die 25m Bahn.
Fazit: Theoretisch sind Wettkämpfe auf der 25m Bahn möglich. Möglich wäre es auch, dass ein Flugzeug auf der Avus landet. Ist aber noch nicht vorgekommen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter News abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.