Juliane Reinhold Interview

Autor: Mirko Seifert

Juliane Reinhold bei den DKM 2015 in Wuppertal.

Juliane Reinhold bei den DKM 2015 in Wuppertal.

Sie wurde 2010 erstmalig Deutsche Meisterin über 400 m Lagen. Leider lief es danach alles andere als optimal bei ihr. 2015 kämpfte sie sich über 400 m Lagen zurück und vertrat Deutschland bei der Kurzbahn EM 2015 in Israel. Ich sprach mit ihr über den weiten Weg zurück an die Spitze:

Wie bist du zum Schwimmen gekommen?
Juliane Reinhold: Eigentlich wollte ich damals zum Tanzunterricht. Da die Gruppe aber schon voll war, und bei einem Schwimmlernkurs noch einige Plätze zur Verfügung standen, hab ich mich vorerst mit dem Schwimmen zufrieden gegeben.

Beim wem und mit wem trainierst du zur Zeit?
Juliane Reinhold: Zur Zeit trainiere ich wie schon seit vielen Jahren in Leipzig, seit nun mehr über 3 Jahren jetzt in Betreuung von Herrn Dirk Franke. Neu ist, dass ich dieses Jahr viel mit Magdeburg, in Betreuung von Herrn Bernd Berkhahn, trainieren darf. Dort trainiere ich unter anderem mit Franziska Hentke.

Im Januar diesen Jahres warst du auf „Trainingslager-Visite“ in Magdeburg. Was habt ihr dort trainiert?
Juliane Reinhold: Genau, ich war im Januar 2 Wochen in Magdeburg und die erste der beiden Wochen haben wir den sogenannten „Rio- Rhythmus“ geübt. Dies hieß, die Mittagszeit wird zum frühen Morgen und Mitternacht zum Nachmittagstraining. Den kompletten Tagesablauf um ca. 6 h nach hinten verschoben. Die 2. Woche haben wir dann wieder im ganz normalen Rhythmus trainiert.

Einmal im Jahr bist du auch im Höhentrainingslager. Wo liegt hier der Schwerpunkt?
Juliane Reinhold: Im Oktober 2015 war ich auch wieder mit Magdeburg in der Sierra Nevada unterwegs, dort hieß, es Grundlagen für das kommende Trainingsjahr zu schaffen. Bald nun werde ich ein zweites Mal mit in die Höhe fahren. Allerdings weiß ich noch nicht was mich dort erwarten wird.

Welche Vorbereitungen für die DM 2016 wirst du noch unternehmen?
Juliane Reinhold: Ich stecke gerade in der 1. von 2 Umfangswochen hier in Leipzig. Danach werde ich nochmal nach Magdeburg fahren und anschließend 4 Wochen Höhenlager in der Sierra.

Wie wichtig waren dir in der deine Jugendzeit (AK 14 – 18) die Altersklassenrekorde?
Juliane Reinhold: In der Jugendzeit war es einfach eine schöne Erfahrung und Motivation dazu. Heute weiß ich aber auch, dass es nicht nur entscheidend ist, wie gut du in der Jugend bist, sondern auch darüber hinaus.

Nicht nur einmal bist du kurz vor Deutschen Meisterschaften, so z. B. 2011, krank geworden. Wie hast du dich damals gefühlt?
Juliane Reinhold: Es war sehr sehr bitter für mich. Dieses Gefühl kann man schlecht beschreiben. Man trainiert fast ein ganzes Jahr und muss vieles einstecken. Dann ausgerechnet zum Zeitpunkt, wo du allen zeigen willst, wie sehr du dich gequält hast und wie gut du trainiert hast, krank zu werden ist mehr als bescheiden. Dieses Gefühl wünsche ich niemandem.

Du bist in Israel bei der Kurzbahn-EM über 400m Lagen im selben Lauf mit der neuen Weltrekordhalterin K. Hosszu geschwommen. Frau Hosszu, das ist bekannt, schwimmt seit Jahren auf sehr vielen Strecken bei sehr vielen Wettkämpfen. Meistens gewinnt sie. Fragst du dich nicht manchmal „wie macht die das bloß“?
Juliane Reinhold: Klar fragt man sich wie diese, für meine Begriffe unglaubliche Frau, das schafft. Ich denke einfach sie hat in ihrer Jugendzeit sehr sehr viel und hart trainiert. Dies wird sie auch heute noch tun. Denn bekannterweise kommt von nix auch nix.

Nach den Youth Olympic Games 2010 wurde es, was die internationalen Auftritte von dir angeht, ruhiger. 2015 bist du dann für Deutschland bei der Kurzbahn-EM erstmalig wieder gestartet. Was passierte in den 5 Jahren?
Juliane Reinhold: 2011 habe ich meine Ausbildung bei der Landespolizei in Sachsen angefangen. Dort bin ich in eine Sportfördergruppe eingetreten. Die normale Ausbildungszeit beträgt in Sachsen 2,5 Jahre, unsere Ausbildung wurde auf 4,5 Jahre gestreckt. Ich denke nicht, dass es nur an der Ausbildung lag. Vieles kam auf einmal. Auch mein Kopf war zwischendurch nicht der, den ich kannte. Ich hatte viel zu kämpfen, an allen Fronten – aber besonders mit mir selbst.

Hast du noch Kontakt zu deinem damaligen, langjährigen Trainer Oliver Trieb?
Juliane Reinhold: Hin und wieder, aber ein regelmäßiger Kontakt ist nicht vorhanden. Ich denke, jeder ist seinen bestmöglichen Weg gegangen und dies ist im Nachhinein auch gut so gewesen.

Du hast noch 11 Geschwister. Wie kann man sich eine Familienfeier bei euch vorstellen. Müsst ihr immer ein „Restaurant mieten“?
Juliane Reinhold: Wir gehen grundsätzlich in kein Restaurant, dies wäre für niemanden finanziell möglich zu stemmen. Meisten suchen wir uns öffentliche Ort, um solche Festivitäten über die Bühne zu bringen.

Deine Webseite juliane-reinhold.de zeigt jetzt auf deine Facebookseite https://www.facebook.com/Juliane-Reinhold-111934545515627/ Warum?
Juliane Reinhold: Die Website ist schon seit einiger Zeit nicht mehr aktuell. Es ist eben leichter für mich bei Facebook etwas hochzuladen, als es bei dieser Webseite der Fall war.

Welche sportlichen Ziele hast du für 2016?
Juliane Reinhold: Ganz klar Rio. Ich muss und will mir dieses Ziel vornehmen. Wenn ich es nicht schaffe, dann ist es eben so, aber es ist das Ziel der Ziele.

Und welche darüber hinaus?
Juliane Reinhold: Gesund bleiben, meine Ausbildung ordentlich beenden und vielleicht sogar einen guten Start ins Arbeitsleben schaffen.

Welchen abschließenden Tipp kannst du den Nachwuchsschwimmern von heute geben?
Juliane Reinhold: Das ist schwer, jeder ist charakterlich sehr unterschiedlich „Aber werft nicht sofort die Flinte ins Korn, kämpft für eure Ziele und genießt die Momente des Erfolges.“

Vielen Dank für das Interview und alles Gute auf dem Weg nach Rio!

Link: Bilder und Erfolge

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