Interview Lasse Frank

Autor: Mirko Seifert

Im Oktober 2015 führte ich ein Interview mit Lasse Frank für die Vereinszeitung von Spandau 04. Es folgt der original Wortlaut:

Lasse Frank
Er war selber ein schneller Schwimmer, seit einigen Jahren trainiert er den Nachwuchs in Berlin. Zuerst am Bundesstützpunkt in Berlin, seit dieser Saison ist er Trainer an der Poelchauschule. Ich sprach mit ihm über die Gegenwart und seine Vergangenheit als Schwimmer.

Berlin, 8. November 2015: Abschnitt 4 der Landesoffenen Berliner Kurzbahnmeisterschaften vom 6. - 8.11.2015. *** Lasse Frank; Anna Stephanie Dietterle; Maximilian Oswald; Felix Auboeck

Berlin, 8. November 2015: Berliner Kurzbahnmeisterschaften vom 6. – 8.11.2015: Lasse Frank (li); Anna Stephanie Dietterle; Maximilian Oswald; Felix Auboeck

Seit der neuen Schulzeit bist du an der Poelchau-Oberschule, Eliteschule des Sports Berlin, ganztägig angestellt. Die Saison zuvor warst du zwar auch schon da, bist aber immer zwischen dem OSP Berlin Sportforum und der Poelchau gependelt. Wie war das letztes Jahr, warum gab es die Übergangszeit?
Ich habe mich für ein sicheres Anstellungsverhältnis aufgrund meiner familiären Situation (Baby und somit 2. Kind) entschieden. An der Poelchauschule habe ich dieses gefunden und kann trotzdem meiner Leidenschaft als Schwimmtrainer nachgehen. Nach meiner Entscheidung war es mir sehr wichtig, meine Sportler am BSP so gut wie möglich zu unterstützen und ihnen den Übergang so leicht wie möglich zu gestalten. Desweiteren war es gut, langsam die Trainer und Sportler der Poelchauschule bzw. von Spandau 04 kennenzulernen.

Welche Aufgaben hast du? Was ist deine offizielle Position in der Schule?
Ich bin Lehrer-/Trainer an der Poelchauschule im Olympiapark. Derzeit trainiere ich die Oberstufe (11. – 13. Klasse). Gemeinsam mit den dortigen Kollegen von Spandau 04 trainieren wir die Sportschüler ab der 5. Klasse.

Was ist der Unterschied zwischen der Poelchau-Oberschule und dem SLZ Berlin?
Der Unterschied liegt in den Trainingsbedingungen und in der Finanzierung der betreuenden Trainer.
Am SLZB Hohenschönhausen arbeiten insgesamt: 8 hauptamtlich bezahlte Trainer: 1 BSP-Leiter, 1 BSP-Trainer/Lehrer-Trainer, 1 OSP Trainer, 1 Lehrer-/Trainer, 4 Landestrainer.

An der Poelchauschule: 1 hauptamtlicher Trainer: 1 Lehrer-/Trainer, Spandau 04 bezahlt 4 Trainer die die Sportschüler betreuen und darüber hinaus ca. 4 Trainer im Bereich 1.-4 Klasse/Talentsichtung bzw. Ausbildung.
Das SLZB verfügt über 2 Schwimmhallen Sportforum: mit 8 x 50m und die SSE: mit 10 x 50m + oben 3x50m Bahnen zur freien Verfügung!
Poelchauschule: 1 Freibad 8x50m (April – Sept.) und 1x Forumbad: 6x25m Bahnen! Die Wasserzeiten teilen sich Schwimmen, Moderner Fünfkampf und Wasserball!!!

Du bist schon eine Weile Trainer. Nach deiner aktiven Laufbahn als Leistungsschwimmer bist du gleich Trainer geworden. Wie kam es dazu?
Während meiner sportlichen Laufbahn hat mich der Trainerberuf schon immer interessiert und ich begann nach meiner Zeit in der Sportfördergruppe das Studium der Sportwissenschaften an der HU Berlin. Das Studium konnte ich zu dieser Zeit optimal mit dem Hochleistungssport kombinieren (alle Unterrichtsräume waren im Sportforum). Als ich 2009 die Anstellung am OSP begonnen habe, hatte ich bereits im Berliner Trainerpool mehrere Jahre mitgearbeitet, desweiteren meine Erfahrungen in eigenen Vereinsgruppen, Triathlon, Talentgruppen gesammelt. Mein Diplom als Sportwissenschaftler abgelegt (Diplomarbeit zum Thema Berliner Sichtungssystem geschrieben) und diverse DSV-Lizenzen gesammelt. Seit dieser Zeit konnte ich sehr viel von meinen erfahrenen Kollegen am BSP und SLZB lernen.

Du warst als Trainier auch schon bei internationalen Meisterschaften mit dabei, 2013 bei der Kurzbahn in Dänemark zum Beispiel. Welchen Stellenwert hat für dich als Trainer solche Berufungen?
Eine Nominierung ist das Ziel eines jeden Trainers. Für mich war es eine große Auszeichnung für die Arbeit, die man zusammen mit den Athleten geleistet hat. Man sollte sich allerdings immer bewusst sein wie viele Kollegen an diesem Erfolg beteiligt sind. Ich bin mir auch im klaren gewesen, welche Chance ich an einem Standort wie dem BSP hatte.

Wie ist die Kommunikation untereinander mit Leuten, die früher deine Trainer waren und heute in ähnlicher Position sind? Ich denke da an Harald Gampe …
Ich wurde von allen Kollegen respektvoll aufgenommen. Mit vielen verbindet man schöne Ereignisse und merkt das man auf einer Wellenlänge ist. Ich denke, als „Schwimmtrainer“ muss man schon ein spezieller Typ sein und vor allem seine Arbeit lieben und Spaß dabei haben und vermitteln.

Was waren deine sportlichen Höhepunkte als Aktiver?
Ich war als Aktiver viele Jahre in der Nationalmannschaft und durfte an den Jugendeuropameisterschaften sowie vielen Weltcups wie Melbourne, New York, Durban, Stockholm … teilnehmen. Bei Deutschen Meisterschaften konnte ich viele Goldmedaillen im Junioren und Jugendbereich erringen. In der offenen Klasse sprang mehrfach der Bronzerang heraus und der Titelgewinn in der Bundesliga/DMS mit dem SC Berlin.

Hast du noch Kontakt zu ehemaligen Sportlern deiner „Generation“?
Ja, den habe ich tatsächlich; einige sind auch im Traineralltag unterwegs oder sind dem Schwimmsport anderweitig treu geblieben. Andere trifft man z.B. immer noch bei der DMS. Mit anderen treffe ich mich regelmäßig zum Kicken!

Schwimmst du selber noch aktiv, vielleicht auch bei Wettkämpfen?
Ich schwimme nicht mehr viel, habe es aber noch nicht verlernt! Ich versuche regelmäßig Sport in meinen Alltag zu integrieren, da ich es wichtig finde, manche Dinge auch selber zu demonstrieren. Für mich sollte ein Trainer auch eine gewisse Sportlichkeit ausstrahlen oder zumindest eine gesunde Lebensweise vorleben!

Du bist schon lange im nassen Element unterwegs, hast auch die Ära der „Gummianzüge“ mitgemacht. Wie hat sich der Schwimmsport in den letzten 15 Jahren, also seit 2000, verändert?
Ich habe die Anfänge miterlebt, angefangen vom Aquablade und Fastskin von Speedo. Mit den Hightech Anzügen von 2009 bin ich nie im Wettkampf geschwommen. Als ich diesen im Training angezogen habe (2 Jahre nach meinem Karriereende) bin ich sofort Bestzeit geschwommen. Es war toll darin zu schwimmen. Ich finde Schwimmen ist eine sehr ästhetische Sportart, aber der viele Stoff verdeckt für den Zuschauer letztlich die Attraktivität. Aber mir ist klar, dass wir uns der neuen Technologie nicht verschließen können. Während der vielen Diskussionen um die Hightech-Anzüge war das Schwimmen wenigstens regelmäßig in den Medien präsent. Es geht eben immer um „höher, schneller, weiter“ auch im Schwimmsport. Neue Anzüge, Startblöcke und Regeländerungen halten das klassische Schwimmen am leben.

Wie siehst du die Situation des Leistungssports „Schwimmen“ in Berlin und in Deutschland?
Diese Frage sprengt den Rahmen 🙂 Ich bin ein positiver Mensch … Wir haben schöne Schwimmhallen und gute Trainer! Ich denke mittlerweile ist es eine gesellschaftliche Frage, ob wir im Schwimmen wieder Weltspitze werden oder nicht. Wenn die Gesellschaft Goldmedaillen verlangt, dann muss man auch Gold in die Anwärter investieren! Bei dieser trainingsintensiven Sportart braucht es viele Anreize für die Athleten, „bei der Stange“ zu bleiben.
Welchen Tipp kannst du den Nachwuchsschwimmern mit auf den Weg geben?
– hart arbeiten und dabei Freude verspüren
– sich hohe Ziele stecken und gewissenhaft verfolgen
– Prioritäten setzen zu 100% Sportler sein
– sich mit der internationalen Schwimmszene auseinandersetzen (Welche Technik wird
geschwommen, wie sieht die neue Wende aus? Wie schnell schwimmen Franzosen oder Briten in meinem Jahrgang?)
– BSP: ein 10 jähriger Fußballer kennt wahrscheinlich die Hälfte aller Bundesligaspieler, ein 10 jähriger Schwimmer wahrscheinlich eine Handvoll deutscher Spitzenschwimmer.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Links:
Bilder und Erfolge von Lasse Frank
Originalartikel „Newsletter Wasserfreunde Spandau 04 Oktober 2015“

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