Aufbruch in eine neue Zukunft – USA (Teil 5)

Autor: Marco Foelske

Eine Serie über das Leben und dem Alltag im
Schwimmsport in den USA

Atlanta, 2015: Überblick über das ehemalige Olympiabecken von 1996.

Atlanta, 2015: Überblick über das ehemalige Olympiabecken von 1996.

Auch bei uns in Atlanta wird das Wetter herbstlich, Temperaturen fallen nachts schon mal bis auf 3 Grad und tagsüber wird es an manchen Tagen nicht wärmer als 12 Grad. Endlich sind auch unsere Autos von Europa angekommen, dabei mussten wir nach Jacksonville, Florida, fahren um sie abzuholen. Das Schiff, ein schwimmendes Parkhaus geladen mit mehreren tausend Fahrzeugen, hatte fast vierzehn Tage Verspätung. Insgesamt hat es fast 8 Wochen gedauert bis wir wieder eigene Autos fahren durften. Die reine Überfahrt dauerte zirka 4 Wochen. Bei der Ankunft sollten wir die Fahrzeuge überprüfen. Leider fehlten unsere Schwimmsäcke (Flossen, Hand und Finger Paddles, Bretter, Pool Buoy‘s und andere Schwimmutensilien), desweiteren fehlten Stofftiere, Regenschirme die auf der Hutablage lagen und diverse Kleinigkeiten wie Sonnenbrillen und etc. Bei der Ankunft sind wohl Türen, Seitenwände und Sitze abmontiert und geöffnet worden. Die Angst zu schmuggeln von Drogen oder Waffen scheint wohl gross zu sein. Die abgeschlossene Versicherung trägt solche Verluste leider nicht. Am Ende dachten wir; Hauptsache die Fahrzeuge sind da und waren fahrtüchtig. Atlanta – Jacksonville und zurück waren 1300 km, für einen Tag bei maximal Tempo von 75 Meilen = 120 km/h ein lockerer 14 Stunden Tag, mitgerechnet die Zeit der Fahrzeugübergabe am Hafen und Rückgabe des Leihwagens.

2015: Gesamtansicht der Tribüne von der Fensterseite.

2015: Gesamtansicht der Tribüne von der Fensterseite des Olympiabeckens von 1996.

Am letzten Wochenende (21./22.11.) nahm Bastian an einem Wettkampf in der Olympiaschwimmhalle von 1996 teil. Für Bastian war der Wettkampf wichtiger als zu wissen in welchem Pool er gerade schwimmt. Ich war beeindruckt, vor allen Dingen, weil ich die Spiele von 1996 live vor Ort erleben durfte. Meine Bildergallerie spiegelt das auch heute wieder. Damals war die Halle mit einem provisorischen Dach bestückt, die heutige Fensterseite hatte eine provisorische Tribüne ohne Sonnenschutz, erinnert ein bißchen wie Tbilisi bei der EYOF in diesem Jahr. Die Haupttribüne auch für die Kommentatoren, sie saßen überdacht und der Teil steht auch heute noch so wie früher. Das Gelände ist die heutige die Technische Universität von Georgia (Georgia Tech), damals war hier auch das Olympische Dorf, das Velodrom und manch andere Orte für Zusammenkünfte der Sportler, es fanden hier die all abendlichen Konzerte statt und zu den anderen Sportstätten, wie Judo, Boxen, Ringen, Handball und Basketball war es nicht weit. Hinter der Tribüne fand ich eine grosse Vitrine mit dem Original Startblock der Olympischen Spiele von 1996, Fotogallerie und andere Utensilien die damals verwendet wurden. Damals war SWATCH der offizielle Zeitnehmer der Spiele.

2015: 2 Wettkämpfe gleichzeitig im 50m Becken, ausgetragen aber auf 2x25 Yard Bahnen.

2015: 2 Wettkämpfe gleichzeitig im 50m Becken, ausgetragen aber auf 2×25 Yard Bahnen.

Das Interessante an diesem Wettkampf war, das das 50 m Becken in 2 x 25 Yard unterteilt war und dadurch ein Freiraum zwischen den beiden Becken entstand. Die Schiebewände fahren jeweils von beiden Seite in die Mitte. Bei 50 m Langbahn Wettkämpfen müssen die Startblöcke auf die Schiebewände umgesetzt werden. Das war für mich auch das erste Mal, ein Schwimmbecken mit Zwischenraum zu sehen. Der Wettkampf fand in beiden Becken gleichzeitig statt. Alle Athleten unter 12 Jahren schwammen von der Tribüne aus im linken Becken, weil 12 Jährige und älter schwammen auf der rechten Seite. Die Anzeigetafel war zweigeteilt. Somit brauchte man auch die doppelte Anzahl von Zeitnehmern, Wenderichter, Zielgericht und Startern. Auf der Tribüne war das Startsignal schlecht zu hören. Weil in beiden Becken gleichzeitig geschwommen wurde, mussten die Starter besonders darauf achten, das zwischen den Starts immer eine kleine Pause war um nicht zu verursachen, das Schwimmer des anderen Becken versehentlich starteten. Das Meldeergebnis war online oder gegen eine Gebühr von US $ 5 (ca. 4,70 Euro) am Eingang zu erwerben. Es gab kein freies Internet in der Schwimmhalle, man hätte sich anmelden müssen und eine Gebühr dafür entrichten müssen. Die Anmeldung konnte aber nur für ein monatliche Benutzungsgebühr genutzt werden (monatlich $ 12,95). Parken auf dem gesamten Uni Gelände kostete $ 15 pro Tag (ca. 14 Euro), oder wenn man es vorab online gebucht hat $ 22 für beide Tage, da der Wettkampf sich über zwei Tage hinzog, nahm ich diese Variante. Soweit ich das beurteilen kann benutzen Veranstalter elektronische Zeitmessungen, so auch hier, allerdings anders als bei uns in Deutschland, hören die elektronischen Anschlagmatten an der Wasseroberfläche auf, so sind die Schwimmer gezwungen immer unter Wasserlinie anzuschlagen. Siegerehrungen gibt es in der Regel nicht. Sie sind nicht Bestandteil der Wettkämpfe. Es werden auch keine Medaillen oder Urkunden nachgeschickt. Einzige Auszeichnung die die Kinder hier bisher erhalten haben, so auch Bastian, waren Farbbänder (Ribbon). Dafür gibt es die Farbbänder allerdings bis zum zehnten Platz und in verschiedenen Farben. Auf Nachfrage wurde mir gesagt, Medaillen gibt es lediglich für Bundesstaaten oder nationalen Wettkampfveranstaltungen. Trotzdem sind die Startgelder ähnlich teuer wie bei uns und müssen auch bei Vereinsinternen Veranstaltungen selbst getragen werden ($ 4 bis $ 10 pro Start und Veranstaltung, ca. 3,75 bis 9,38 Euro). Noch etwas ungewohnt, während der Wettkämpfe wird weder Musik gespielt noch gesprochen. Der Sprecher sagt lediglich wenn das Einschwimmen beendet wird und dann während des Wettkampfs die Wettkampfnummer an, weder Namen oder Laufnummern werden erwähnt. Was ich sonst eher von den 50 m Kurzstrecken gewohnt war, wird hier der ganze Wettkampf über so gemacht. Mir ist aufgefallen, das sehr oft gerade bei den jüngeren Schwimmern der Start verpasst wird. Ob das nun damit zusammenhängt das die Namen nicht erwähnt werden bleibt reine Spekulation. Athleten werden nur namentlich bei A- bzw. B Finallaufen aufgerufen. Bisher habe ich das einmal erlebt. Und dabei werden die Namen auch erst aufgerufen wenn die Schwimmer bereits im Wasser sind und ein Teil der Strecke hinter sich gebracht haben. Die Reserve Schwimmer (2 Athleten) müssen auch beim Start warten ob die Finalteilnehmer alle erschienen sind, wenn nicht, begeben sich der oder die Reserve Schwimmer zu der freien Bahn oder Bahnen und kommen zum Einsatz.

Startblock von Olympia 1996.

Startblock von Olympia 1996.

Im übrigen werde ich Mitte Dezember 2015 live aus der Olympia Schwimmhalle von den US Jugend Nationalen Meisterschaften, (alle Athleten unter 18 Jahre) die von Mittwoch dem 9. Dezember bis Sonntag 13. Dezember für die gesamte Ostküste hier in Atlanta ausgetragen wird, berichten. Mehr darüber in einem separaten Bericht.

Im Staate Georgia gibt es sehr viele Städtenamen mit ausländischem Hintergrund. Eine kleine Auswahl von Städten die man hier findet: Athen, Braunschweig, Cairo, Damaskus, Genf, Manchester, Molena, Lutherstadt, Grünberg, Weissburg, Ephesus, Bremen, Winston, Rome, Warwick, Berlin, Rhein, Milan, Wien, Monticello,Oxford, Covington, Helen Dorf, Sparta, DuPont, St. George, Bristol, Lyon, Oliver, Pulaski, Girard, Martin, Cornelia, Baldwin, Ringgold, LaFayette und Feuerstein.

2015: Aussenansicht des Aquatic Centres von 1996.

2015: Aussenansicht des Aquatic Centres von 1996.

In dieser Woche feiern die Amerikaner ihren grössten Feiertag, das „Thanksgiving“ Fest. Man bedankt sich für die Früchte und Ernte die im Herbst zusammen getragen wurden. Das Fest wird im Segen der ganze Familien gehalten. Es ist wohl Amerikas beliebteste Reisewoche. Millionen von Menschen, fahren oder fliegen zu ihren Familien. Das Nationalessen ist der Truthahn-Braten. Dabei werden hundert tausende von Truthähne gebacken, Füllung, Soße, Kartoffeln süß und salzig, Bohnen, Preiselbeeren und als Nachspeise warmen Apfelstreuselkuchen.

Leider ist in den letzten Jahren das zusammensitzen in der Familie mehr und mehr in den Hintergrund getreten und der Einkaufswahn, der um Mitternacht am Ende des Thanksgiving (Erntedankfestes) Tages die Vorweihnachtszeit einläutet, in den Vordergrund getreten. Der Tag heißt „Black Friday“ – schwarzer Freitag. Auch in Europa fängt man in letzter Zeit an diesen Tag einzuführen. An diesen „schwarzen Freitag“ sind viele Dinge preislich stark reduziert aber meistens in kleiner Stückzahl nur zu haben.

In diesem Sinne – Happy Thanksgiving.

Alle Teile der Serie gibt es hier:
♦ Teil 1
♦ Teil 2
♦ Teil 3
♦ Teil 4

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