Europa-Spiele – sportliche Zukunft 2019

baku_2015_logo_400pixelAutor: Mirko Seifert

Die 1. Europa-Spiele sind Geschichte. In 4 Jahren werden sie wieder stattfinden, doch zwei wichtige Fragen sind offen:

Die Austragungsstadt
Kurz vor Beginn der Spiele in Baku gaben die Niederlande die Spiele wieder zurück. Mit Abschluss der Baku-Spiele am 28.6.2015 konnte, so wie es Olympische Tradition will, keine Fahne des EOC an die nächste Stadt übergeben werden.

Die Sportarten
Nur Judo und United World Wrestling trugen in Baku ihre Europameisterschaften aus. Alle anderen Sportarten haben oder hatten ihre kontinentalen Titelkämpfe noch vor sich. Die Sportarten, die in Baku teilnahmen, haben diese Veranstaltung zusätzlich in ihren Wettkampfkalender eingebaut bzw. andere, eigene Titelkämpfe darauf abgestimmt.

Die EM haben in Europa eine lange Tradition und die einzelnen Sportverbände wachen darüber. Doch in vier Jahre könnte es sein, dass einige Sportarten ihre Europameisterschaften in die Europa-Spiele integrieren. Das ist das erklärte Ziel des EOC ist es, so viele Sportarten wie möglich dazu bewegen, ihre Europameisterschaften bei den European-Games auszutragen. So dass EOC in einer Mitteilung vom 19.6.2015. Das EOC lobte vor allem die hohe TV-Reichweite und das große Medieninteresse allgemein.

Speziell die Leichtathletik und alle Wassersportarten nutzten die Baku-Spiele für ihre Nachwuchsathleten. Das könnte 2019 anders aussehen. Speziell im Schwimmen finden die EM nur alle 2 Jahre (50m Bahn) statt. 2016 ist London, 2018 Glasgow an der Reihe. Es ist sehr gut möglich, dass Schwimmen, wo mit Abstand die meisten Medaillen vergeben werden, nicht mehr für die Junioren „reserviert“ wird, sondern zumindest für die „offene Klasse“ geöffnet wird. Zwar werden 2019 die Junioren für’s Schwimmen erweitert sein, denn ab 2016 können dann 4 Jahrgänge (bisher 2) an den Junioren EM teilnehmen. Bei den Männern und Frauen gleicht man die Jahrgänge an die FINA-Junioren WM an: dort werden alle Jahrgänge von 15 bis 18 Jahren teilnehmen.
Es ist tatsächlich Kaffeesatzleserei, aber für die Schwimmer ist 2019 kein EM Jahr und damit geeignet, die nächsten Europa-Spiele mit der kompletten EM Elite aufzutrumpfen. 2019 ist aber auch wieder ein WM-Jahr. Bisher waren die Verbände sehr zurückhaltend, wenn WM und EM und Olympia und EM miteinander im selben Kalenderjahr lagen. Die EM war stets im Nachteil. So ist für 2016 die EM in London, ca. 3 Monate vor den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro. Viele Nationen werden dann nur ihre „B-Mannschaft“ ins Rennen schicken. Daher hatte es die Berlin EM 2014 sehr leicht, die komplette Europäische Elite zu versammeln. Sie war die einzige Schwimmveranstaltung mit Top-Bedeutung für die Europäer in 2014.

Dem Zuschauer ist schwer zu vermitteln, dass die unterschiedlichen Sportarten mit unterschiedlichen Schwerpunkten anreisten. Bei den Europa-Spielen denkt der Sportfan sofort an die besten der Sportart des jeweiligen Landes. Der Sportfan will die besten Athleten von Europa bei den Europa-Spiele sehen. Beim Schwimmen und in der Leichtathletik ist es schwer begreiflich zu machen, dass „nur“ der Nachwuchs am Start war. Im Tischtennis oder Schießen beteiligten sich gestandene Weltmeister und Olympiasieger. Warum nicht in allen Sportarten?
Das wird sich ändern. Ich gehe davon aus, dass, wenn nicht bei den nächsten, bei den übernächsten Europaspielen nur noch die Topleute an den Start gehen werden. Platz für Junioren wird es nicht mehr geben. Dann wird auch der Medaillenspiegel ein anderer sein. Der (ungeübte) Sportfan reibt sich die Augen bei der Medaillenflut im Schwimmen für Russland. Auch die Anzahl der Entscheidungen muss überdacht werden. Das Schwimmen belegt mit 42 von ca. 250 Gesamtentscheidungen mehr als 17 % aller Goldmedaillen bei 20 Sportarten.

Die Dauer der Spiele mit 17 Tagen war sogar länger als die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro. Die Europa-Spiele waren wie ihr großer Bruder, die Olympischen Spiele, aufgezogen: Athleten Dorf, Media Village, Olympiastadion, TV-Übertragungen, eingesetzte Technik, farbenfrohe Eröffnungs- und Abschlusskundgebung, bewachte Unterkünfte, hohe Mauern und Zäune um Sportstätten und Unterkünfte, Polizei und zum Teil Militär überall, Shuttle-Services 24 Stunden am Tag, Volunteers in blauen T-Shirts an jeder Tür und jeder Ecke in den Sportarenen. 50 Länder Europas kämpften in 20 Sportarten und in 18 Sportarenen um 800 Medaillen.

Baku hatte das Glück, das die Stadt im Umfeld nicht groß bebaut war und noch genügend Platz für die Sportstädten übrig war. Städte in den Niederlanden hätten da schon mehr Probleme. Baku hat einen Standard an Organisation gesetzt, der selbst von Weltmeisterschaften schwer zu toppen ist. Wenn eine Stadt sich komplett für die Athleten umkrempelt und extra Bus(spuren) mit Polizeieskorte errichtet dann ist es für den Ablauf der Spiele von Vorteil. Doch in die „Röhre“ schauten die Einheimischen. Ich fuhr oft an Bussen des öffentlichen Nahverkehrs vorbei die sehr voll waren, in unseren Bussen saßen manchmal nur 2 Personen. Die Shuttle-Busse hatten immer Vorfahrt und hielten nur an Fußgängerübergängen.

Die nächsten Europa-Spiele werden sich an Baku messen müssen.

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