(Rand)Notizen Baku 2015, 27.6., JEM

Baku, 27. Juni 2015: waren bei den Zuschauern in der Überzahl - Großbritannien.

Baku, 27. Juni 2015: waren bei den Zuschauern in der Überzahl – Großbritannien.

Autor: Mirko Seifert

Vorläufe
Marek Ulrich schwamm über 50m Freistil ohne Schwimmkappe.
8 Fotografen waren am Becken unterwegs.
Die Tribüne ist zu 80 % mit einheimischen, mit 20 % ausländischen Zuschauern besetzt. Weit weniger europäische Zuschauer fanden den Weg zum Schwimmen als in den letzten Jahren während den Junioren-EM. Das größte Zuschauerteam stellt, rein optisch, Großbritannien. Weitere Fahnen der Länder aus der Schweiz, Polen, Dänemark, Niederlande, Spanien, Schweden und Russland waren gespannt. Die Halle war nie ausverkauft, ich schätze, dass bei den Finals ca. 70 % der Sitzplätze belegt waren.

Finals
Im Finale über 100m Brust der Männer trug der spätere Sieger Anton Chupkov (Russland) eine silberne Halskette. Zur Erinnerung: Katrin Gottwald und Laura Kelsch mussten ihre Hals/Armbänder abmachen.
Freude bei Maxine Wolters. Es ist sehr sehr selten, dass sich Maxine Wolters für alle sichtbar freut. Heute bei 200m Lagen und ihrem Sieg war es endlich einmal so weit. Soweit ich mich erinnern kann sah ich sie zum ersten Mal mit erhobenen Arm.
Junioren-Weltrekordler Daniil Pakhomov (Russland) war sich seiner Sache über 100m Schmetterling seiner Sache so sicher, dass er schon mal zum Test den erhobenen Daumen vor dem Start entgegenstreckte. Er gewann zwar seinen Vorlauf und Semifinallauf mit Abstand und Junioren-Weltrekordzeit, im Finale zeigte er Nerven und gewann äußerst knapp.
Die Schwimmveranstaltung der ersten Europa-Spiele endete um 20.16 Uhr (Ortszeit).
17 Fotografen waren am Pool.

Splitter
30 Min. nach den Vorläufen gab es ein „Show-Event“ Flossenschwimmen (Finswimming). Dazu gibt es einen separaten Bericht.
Die lange Pause nutzen die Volunteers ausgiebig für Fotoaufnahmen.
Der Media Workroom hat Platz für 79 Journalisten. In diesem Bereich gibt es immer Getränke, löslicher Kaffee, Äpfel und manchmal Bananen und sehr süßen Kuchen. Für die Selbstbedienung steht ein Kopierer – in Farbe – zur Verfügung.
Bei jedem Abschnitt saß auf jeder Seite je ein Rettungsschwimmer.
Die Länge der Siegerehrungen, bei denen Fotografen Bilder machen durften, war begrenzt. Die Zeit wurde jedes Mal gestoppt.
Alle Sportler bei Rücken verwendeten, zumindest im Finale, die Rückenstarthilfe.
Das Fotografieren der Schwimmhalle von außen am Abend am Ende der Veranstaltung war verboten. Polizisten und Volunteers waren außer sich, als ich meine Handykamera zückte.
Ich hatte mich immer gefragt, was hinter den hohen Mauern hier im Umkreis wohl zu finden ist. Diese Mauern, die sich im Umfeld des Media Village und Athleten-Häuser befinden, verstecken verfallene und ärmlich Häuser der Einheimischen. Man konnte immer wieder Einheimische hier vereinzelt auf den Straßen sehen, die sich hinter großen Stahltüren verzogen. Sie wohnen also hier.
Ich habe alle Siegerehrungen aufgenommen.
Ausserdem war ich der einzige Fotograf, der alle 10 Abschnitte der 5 Tage am Becken war.

Abbau und Transport
Die letzte Siegerehrung war gerade verklungen und an die Mediapartner übertragen wurden, da standen schon die Kisten zum Abbau bereit. Bereits 5 Min. Wettkampfende war ein Teil der TV-Kameras demontiert.
Die 20 Rückenstarthilfen und Anschlagmatten werden von Baku direkt nach Singapur verfrachtet. Dort werden sie in knapp 2 Monaten bei der Junioren-WM eingesetzt. Der Grund für den Ausfall der Anschlagmatte am Tag 1 war ein Kontakt-Kabel-Problem.

Wer fährt mit zur Junioren-WM?
Zumindest die Medaillengewinner im Einzel (7) können sich Hoffnung machen: Julia Mrozinski (Platz 1 200 S), Paul Hentschel (Platz 1 400 F), Laura Kelsch (Platz 3 50 B), Marek Ulrich (Platz 3 100 R, Platz 2 50 R), Maxine Wolters (Platz 2 200 R, Platz 1 200 L), Leonie Kullmann (Platz 2 400 F, Platz 3 200 F), Henning Mühlleitner (Platz 3 800 F). Die Junioren-WM findet ende August in Singapur statt.

DIE FOTOGRAFEN
Fotopositionen
Die meisten Positionen gab es auf der Tribüne, gegenüber der Zuschauertribüne. Doch da saßen die wenigsten, alle wollten an das Becken. Am Becken gab es für alle nur eine Position, nahe der 25m Marke unter der Zuschauertribüne.

Baku, Juni 2015: beliebt, begrenzt, begehrt - die lila Fotowesten.

Baku, Juni 2015: beliebt, begrenzt, begehrt – die lila Fotowesten.

Fotowesten
Die Klassengesellschaft war vielleicht gestern, hier gilt die Foto-Westenklasse. Die braune Weste berechtigte zum Fotografieren auf der Tribüne und am Pool bei der 25m Marke. Doch diese berechtigt nicht sich am Becken zu bewegen. Doch wer will schon den ganzen Wettkampf aus ein und der selben Perspektive Fotos aufnehmen? Niemand. Daher gibt es noch die begehrten lila Westen. Es gibt aber nur sieben davon. Die LEN erlaubt nur 7-Lila-Westenträger, sich um das Becken, mit Ausnahmen, zu bewegen. Wie gut das 4 davon schon belegt sind – für die gesamte Veranstaltung: Getty Images, der „offizielle“ Bildlieferant der Spiele, hat schon mal 3 Westen. Die LEN von ‚deep blue media‘ eine. bleiben noch 3. Um diese 3 Westen schlagen sich dann 20 Fotografen.
So muss sich jeder, während des Wettkampfes, beim Photo Team für einen Lauf anmelden. Das gleiche gilt für Siegerehrungen. Anmeldung reicht aber nicht. Die ersten beiden Tage musste man das auch immer schriftlich quittieren und jedes Mal Name, Organisation, Telefonnummer und Unterschrift leisten. Nerviges System. Ab Tag 3 wurde „rationalisiert“ und die ‚Photosupervisor‘ registrieren nur noch wer welche Nummer trägt in einer Liste, die vorher erstellt wurde.
Insgesamt ist es bei den Vorläufen entspannter. Doch die Finals sind harte Arbeit – aber nicht durch das Fotografieren, sondern durch das Organisieren.

Die offiziellen Fotografen
‚Getty Images‘ ist immer mit 3 Fotografen am Start. Sie dürfen alles und (fast) überall hin. Als Technik verwenden sie nur 600mm und 400mm Canon Festbrennweiten, bei der Siegerehrung 70-200mm. Es sind ausschließlich Engländer. Jeden Tag waren immer 3 andere Teams im Einsatz. Am Tag 1, Vorläufe 50m, standen sie aber zu Beginn auf der falschen Seite.

Siegerehrungen
Zum Siegerpodest dürfen nur Fotografen mit lila Westen. Da aber nur die Plätze 1 bis 3 geehrt werden sind die 3 lila Westen genau ausreichend. Zum Siegerpodest darf man nur mit Aufforderung, auch das Verlassen ist nur gemeinsam gestattet.
Zum Glück machen die Aktiven noch einmal Station – geplant sind 20 Sek. – am Pool, wo die anderen Fotografen sind. Dort können auch gute Aufnahmen gemacht werden.
Dennoch herrscht auch hier manchmal ein wildes Hauen und Stechen, manche benehmen sich wie „wilde Tiere“. Denn obwohl einige mit den lila Westen ja schon ihre Aufnahmen am Podest im Kasten hatten flitzen sie zurück und stürzen sich noch mal, ohne Rücksicht auf Verluste, auf die Aktiven, die für 20 Sek. am Pool halt machten.

Verbotene Orte
Seit Tag 3 dürfen keine Aufnahmen von der Startbrücke hinter den Aktiven gemacht werden.
Unter dem Dach-Aufnahmen sind auch nicht möglich. Zwar sind auch von den Tribünen Aufnahmen möglich, die Zuschauertribüne kann aber nur von außen mit einem riesen Umweg aufgesucht werden. Siegerehrungen dürfen nur im Sitzen gemacht werden.
Es war von Anfang an verboten Kabellos technische Geräte zu betreiben. Funkauslöser für Kameras sind tabu, ein Aufstellen von Kameras am Startblock war auch nicht erlaubt. Auch der Betrieb der Notebooks im Media Workroom oder am Becken durfte nur mit Kabel erfolgen. Das klappte aber sehr gut. Die Verbindung war immer einwandfrei und sehr schnell.

Top-Licht
Das beste in der Halle ist aber das Licht. Es ist immer auf voller Lichtstärke und obwohl die Halle höher ist als die SSE kommt erheblich mehr Licht am Becken an. Ein klarer Pluspunkt für diese Schwimmhalle.

Der letzte in der Liste – der Fotograf
Sollte man dann es geschafft haben pünktlich zu sein, sich einen Platz am Pool ergattert zu haben, eine der 3 lila Westen bekommen zu haben dann ist der Weg frei für die Positionssuche. Doch leider ist das Becken auf beiden Seiten mit Werbebanden zugestellt. Die TV-Kameras und die vielen Schiedsrichter stehen dann auch an den Positionen, wo vielleicht noch eine Lücke wäre. Einige Kampfrichter bleiben auch nicht stehen sondern wechselnd jede Sekunde die Position. Es nervt.

Ein & Ausmarsch
Zum Pool geht es nur gemeinsam. Wer nicht pünktlich am Treffpunkt ist kommt während des Wettkampfes nicht mehr an’s Becken. Vom Becken zurück geht es auch nur in eine Richtung. Nach Abstimmung mit dem Photo Team (gelbe Weste) darf man das Becken verlassen, kommt aber nicht mehr zurück. Wer auf Toilette will darf das gern, kommt aber nicht mehr zurück. Somit muss man sich im Vorfeld schon genau auf die 3,5 Std. am Pool vorbereiten, auch mit seiner Blase.

Aquatic Centre
Fotoaufnahmen ausserhalb des Wettkampfes vom Becken ist vom Pool nicht erlaubt. Man wird gar nicht erst reingelassen. Auch das Trainingsbecken ist tabu. Also heißt es sich umständlicherweise auf die Tribüne setzen.

50% Leistung
Wenn ich die Einschränkungen als Grundlage nehme bin ich der Meinung, dass ich nur 50% meiner Leistung zeigen konnte. Schade, dafür bin ich nicht 4.000 km gereist.

Baku, 25. Juni 2015: Im Keller der Schwimmhalle. Links das Wettkampfbecken.

Baku, 25. Juni 2015: Im Keller der Schwimmhalle. Links das Wettkampfbecken.

Unter dem Wettkampfbecken
Das Wettkampfbecken hat auf Bahn 0 und 9 entlang der 50m noch kleine Fenster. Diese sind aber nur 50 cm x 50 cm groß. Diese „Unterwasserfenster“ sind sehr schwer zu erreichen und ich überlege immer noch, wie man sich durch die Rohre und Verstrebungen quetschen muss, um dorthin zu gelangen.
Das Kellergeschoss selbst ist noch im Bauzustand, überall Zementsäcke und der Boden ist grümelig von Beton.

Tribüne für die Sportler
Wie letztes Jahr in Holland gibt sie wieder, die Rotation beim Sitzungsplan für die Mannschaften. Unterteilt werden sie dieses Jahr nach den Schwimmarten (Backstroke, Freestyle, Butterfly, Breaststroke). Diese Bereiche sind ausgeschildert. Jeden Tag sitzen die Mannschaften damit woanders. Es ist genug Platz für alle da.

Online
Die Baku-Spiele liefen auf folgenden „Kanälen“:
Web:
http://www.baku2015.com/
Facebook:
https://www.facebook.com/baku2015?fref=ts (27.6.2015: 232.302 Personen gefällt das)
Twitter:
https://twitter.com/bakugames2015 (27.6.2015: tweets 2.847; Follower: 20.100; Favoriten: 403)
Instagram:
https://instagram.com/baku2015games/ (27.6.2015: 525 Beiträge, 39.900 Abonnenten)
eigene APP:
seit 3.6.2015 für iOS und Android;
TV:
Sport1: nur in Deutschland zu empfangen, sendete ab 14.00 Uhr live;
Youtube-Channel:
https://www.youtube.com/user/baku2015

Bilder vom Wettkampf gibt es hier:
http://www.mirkoseifert.de/veranstaltung/id/1817/

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