(Rand)Notizen Baku 2015, 22.6., JEM

Volle Leistung um 03.14 Uhr am Flughafen in Baku. Die Akkreditierungsmannschaft für die Ausweise.

Volle Leistung um 03.14 Uhr am Flughafen in Baku. Die Akkreditierungsmannschaft für die Ausweise.

Autor: Mirko Seifert

Zittern um’s Gepäck
Der Hauptteil meiner Fotoausrüstung sollte schon mit, doch was passiert am Flughafen? Kann ich erheblich mehr als 8 kg Handgepäck mit meiner Fototechnik mit auf den „Schoss“ nehmen? Ich durfte. Im Koffer waren 16 kg, meine Technik wog (inkl. Transportcases) 21 kg. Die 21 kg waren dann auch Handgepäck. Damit war der wichtigste Punkt der Anreise geklärt.

Wetter heiß, aber windig
Nachts + 26 Grad C., tagsüber über 30 Grad. Während es in Berlin nur so von oben tropft weht in Baku eine steife Brise und läßt nur erahnen, wie erbarmungslos die Sonne auf einen schießt. Die nächsten Tage werden Werte um 35 Grad C. erwartet.
Wie gut, dass wenigstens einige Sportanlangen und Transporte gekühlt sind. Nicht so die Metro. Ich fuhr zwecks Erkundung damit und die Luft bewegte sich dort gar nicht.

Der Scanner ist dein Freund
Keine Sportstädte, kein Hotel (Media Village) und auch keine U-Bahn überstehe ich ohne gescannt zu werden. Rucksack auf, Rucksack zu oder alles auf den Scanner. Das ist Pflicht für alle Teilnehmer, egal ob Sportler, Zuschauer oder Volunteer. Es fing harmlos am Flughafen an, die Tegler Leute witzelten noch über mein „Unterwasserobjektiv“; gut, es ist keins (400mm), doch ich wurde nicht noch mal rausgewunken. Istanbul war auch kein Problem, in Baku hat’s am Flughafen auch niemand interessiert. Aber bei den Sportstätten schon.
Ein Vergleich mit der EM in Berlin 2014 und den letzten Junioren-EM sei hier angebracht: es gab keine scans.

Transport
Der Transport ist schon speziell. Nicht das es zu wenig Busse, Metros oder Taxen geben würde. Das Problem dabei: jeder sagt was anderes. Mit meiner Presseakkreditierung kann man überall kostenlos fahren, auch mit den Taxis. Verrückt.
Der Bus-Transport vom Media Village, das in unmittelbarer Nähe zum Athletendorf liegt (ca. 200m Entfernung), zur Schwimmhalle ist uneinheitlich geregelt. Nach mehrmaligen Fragen gibt es eine direkte Verbindung, der Bus fährt aber nicht unbedingt zu den Fahrzeiten ab und die Dauer kann auch variieren. Und dann ist dann noch die Polizei, die vor vielen Bussen, der Athleten oder Presse Transporter, „gespann“t wird. Die Polizeiautos in Baku sind alle von BMW.
Das Transportsystem läuft rund um die Uhr. Wenn auch einige Sportstätten nach Mitternacht nicht mehr angefahren werden, so gibt es einen Nonstop Shuttle Bus zum Flughafen. Er verkehrt von den verschiedenen Punkten ca. alle 30 Minuten.
Was kostet nun Benzin im Land? für 1 Liter normal zahlt der Fahrer 0,65 Euro, für die bessere Sorte 0,95 Euro. Der Preis ist an allen Tankstellen gleich, die Qualität aber nicht.

Volunteers und Helfer
Alle Helfer sind nett, hilfsbereit und wollen dir alle Wünsche erfüllen. Hast du kein Wasser, bringen sie dir eins; mein Busfahrer vom Flughafen ins Hotel, bei dem ich der einzige Gast war, ließ mich nach vorn setzen und so konnte ich Baku bei Nacht sehen. Er gab mir auch Schokolade. Eine bessere Konversation auf Englisch konnte ich wenige Stunden mit einem Volunteer der Schwimmwettbewerbe führen, weil russisch einfach nicht mein Ding ist. So nahm der letzter mich in seinem BWM mit zurück ins Media Village. 2 Sightseeing-Trips mit einheimischen, die ein wenig vom Alltag in Baku plauderten.
Die Anzahl der Helfer ist überragend. Bei meiner Ankunft am Flughafen nachts um 03.00 Uhr waren 7 (!) Helfer für die Akkreditierung direkt nach den Passstellen besetzt. Ca. 70 Leute sind nur damit beschäftigt (ohne Busfahrer), die An- und Abfahrten von und zum Flughafen zu koordinieren.

Baku ist geschmückt
„Baku 2015“ und „1st European Games“ ist überall. Bei Tankstellen, in der U-Bahn, am Flughafen, auf Flugzeugen von Aserbaidschan Airlines, an Hotels, auf Bussen, der Einheimische kann sich nirgends hinwenden ohne „Baku“ gelesen zu haben. Ein Einheimischer erzählte, dass die Regierung für die Spiele den Autoverkehr drosselte und nicht mehr alle in die Stadt lässt. Der Autoverkehr ist ab dem 29.6. wieder erheblich höher.

Schwimmhalle (Aquatics Centre)
Ein Vergleich mit Dubai und der SSE sei gestattet. Die Aussenform ähnelt der Schwimmhalle von Dubai. Die Baku-Arena wurde dieses Jahr nach ca. 2 Jahren Bauzeit fertig gestellt. Der Innenaufbau beim Becken und der Tribüne ist „SSE-Style“. Wasserspringerbecken und Schwimmbecken liegen hintereinander. Die Tribünenkapazität ist aber höher, das Dach kann nur in der Mitte und auch nicht vollständig geöffnet werden. Die Sitze sind mit Leder überzogen, alles wirkt nicht nur neu, es ist es auch. Diese Junioren-EM 2015 wird die erste Veranstaltung in der Halle sein. TV-Kameras werden mehr als 6 eingesetzt, darunter eine „Spidercam“ und eine fahrbare entlang den 50m; eine Unterwasserkamera habe ich nicht wahrgenommen. Ganz im Zeichen von „Olympia“ gibt es eine Videosystem über der Startbrücke für die Zielanschläge. Die Anschlagmatten gibt es beidseitig, die Schwimmblöcke sind optisch andere als in Deutschland; diesen Typ hier hatte die WM der Masters 2014 im Einsatz. Die Rückenstarthilfe wird eingesetzt (erste Mal bei einer Junioren-EM). Zu allen Seiten des Schwimmbeckens ist genügend Platz. Der Pressebereich ist vielleicht nicht so groß wie bei der EM 2014, aber im Vergleich zur Junioren EM 2014 ca. 10x größer. Es werden aber auch erheblich mehr Fotografen anwesend sein. Letztes Jahr waren es mit mir 5.

Hacken zusammen
Nicht nur die Polizei, sondern auch militärisch uniformierte sieht man überall. Diese Art von Wachpolizei steht auch entlang den Zäunen, die rund um die Sportanlagen und Unterkünfte aufgeteilt sind. Sie stehen stramm, sie stehen in der Sonne, und sie werden wie bei der Armee üblich, in Reih und Glied abgeholt. So läuft ein kleines Platoon die Straße entlang, der eine reit sich ein, der andere tritt zurück, und die Wachablösung ist fertig.
Brust rein – Maschinengewehr raus: Al Capone hätte beim Anblick feuchte Augen bekommen. Im Olympia-Stadium, Austragungsstätte von Leichtathletik, Eröffnungs- und Abschlussfeuer, stehen auch Polizisten mit im Anschlag sich befindlichen Maschinengewehren. „Polizisten schießen wenn sie wissen das sie müssen und aus maschinengegenwehr“ (Extrabreit).

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